Einordnung 2026

Entgeltatlas 2026 — was er zeigt, und was er nicht zeigt

Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit ist die bekannteste kostenlose Gehaltsquelle Deutschlands — und ein gutes Werkzeug, wenn man weiß, wie seine Zahlen entstehen. Hier erfährst du, was die amtlichen Mediane aussagen, wo ihre fünf Grenzen liegen und wie du sie mit aktuellen Marktdaten kombinierst.

Was ist der Entgeltatlas?

Der Entgeltatlas ist ein Online-Tool der Bundesagentur für Arbeit. Er zeigt Median-Bruttomonatsentgelte sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigter — aufgeschlüsselt nach Beruf, Region, Alter und Geschlecht. Die Datenbasis ist die amtliche Beschäftigungsstatistik: die Entgeltmeldungen, die Arbeitgeber für ihre Beschäftigten abgeben. Das macht den Entgeltatlas zur größten und neutralsten Gehaltsdatenbank des Landes.

Genau deshalb lohnt sich der Blick auf die Methodik: Die Zahlen sind belastbar — aber sie beantworten eine andere Frage, als viele denken. Sie zeigen, was Bestandsbeschäftigte verdienen. Nicht, was der Markt dir heute bei einem Wechsel zahlen würde.

Die fünf Grenzen der Entgeltatlas-Zahlen

  1. Zeitverzug. Die Werte stammen aus Stichtagsmeldungen und liegen typischerweise ein bis zwei Jahre zurück. In Branchen mit schnellen Gehaltsbewegungen (IT, Energiewirtschaft, Bau-Handwerk) ist der Markt der Statistik voraus.
  2. Bestand statt Markt. Der Median mischt alle Beschäftigten eines Berufs — auch die, die seit 15 Jahren im selben Vertrag sitzen. Neueinstellungen werden heute oft spürbar anders bezahlt als der Bestand.
  3. Deckelung durch die Beitragsbemessungsgrenze. Entgelte werden nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung erfasst. Alles darüber erscheint in der Statistik gekappt — Spitzengehälter, etwa in der IT-Führung oder SAP-Architektur, bildet der Entgeltatlas deshalb systematisch zu niedrig ab.
  4. Berufsgruppen statt Rollen. Die Systematik fasst breite Berufsgattungen zusammen. „Softwareentwicklung“ ist eine Zeile — ob Junior-Frontend oder Cloud-Architektin mit Personalverantwortung, macht am Markt aber 60.000 € Unterschied.
  5. Monatsentgelt ohne Verhandlungskontext. Der Entgeltatlas zeigt Monatswerte der Vergangenheit. Für eine Gehaltsverhandlung brauchst du die Gegenwart: aktuelle Spannen, variable Anteile, regionale Faktoren und den Wert deines konkreten Profils.

Amtliche Mediane vs. aktuelle Marktspannen — beide Blickwinkel nutzen

Wichtig beim Vergleichen: Der Entgeltatlas rechnet in Brutto-Monatsentgelten, der Gehaltsatlas in Jahresbrutto-Spannen aus laufenden Vermittlungen. Die folgende Tabelle zeigt unsere aktuellen Branchenwerte 2026 — als Marktperspektive neben der amtlichen Statistik:

BrancheEinstieg (Jahresbrutto)MedianTopBerufsbilder
SAP-Beratung & Entwicklung44.000 €74.000 €140.000 €22
Technische Gebäudeausrüstung28.000 €56.000 €90.000 €28
IT, Cloud, Security & DevOps44.000 €88.000 €320.000 €30
Java-Entwicklung & Backend42.000 €78.000 €185.000 €25
Handwerk & Gewerke30.000 €48.000 €110.000 €25
Energiewirtschaft & Erneuerbare42.000 €74.000 €140.000 €68

Quelle: Vermittlungs- und Marktdaten der ADVERGY GmbH (4.000+ Vermittlungen seit 2010), fortlaufend aktualisiert. Methodik transparent auf der Methodik-Seite; regionale Unterschiede in der Gehaltsschere-Analyse.

Wann nutzt du was?

Entgeltatlas: für den neutralen, amtlichen Überblick — etwa um eine Region oder einen Berufswechsel grob einzuordnen. Kostenlos, seriös, flächendeckend.

Gehaltsatlas: wenn du wissen willst, was der Markt heute zahlt — mit Spannen nach Rolle, Erfahrung und Region aus echten Vermittlungen. Und wenn es konkret wird: Eine persönliche Einschätzung berücksichtigt dein Profil, nicht den Durchschnitt.

Häufige Fragen zum Entgeltatlas

Ist der Entgeltatlas kostenlos?

Ja. Der Entgeltatlas ist ein kostenloses Angebot der Bundesagentur für Arbeit und ohne Anmeldung nutzbar.

Wie aktuell sind die Entgeltatlas-Daten?

Die Werte basieren auf Stichtagsmeldungen der Beschäftigungsstatistik und liegen in der Regel ein bis zwei Jahre zurück. Für schnell drehende Märkte lohnt der Abgleich mit aktuellen Marktspannen.

Warum weichen Entgeltatlas-Werte von Gehaltsportalen ab?

Drei Hauptgründe: unterschiedliche Einheiten (Monats- vs. Jahresbrutto), Bestands- vs. Marktperspektive und die Deckelung hoher Gehälter an der Beitragsbemessungsgrenze. Beide Quellen können gleichzeitig „richtig“ sein — sie messen Verschiedenes.

Was ist für die Gehaltsverhandlung besser geeignet?

Für die Verhandlung zählt der aktuelle Markt: Spannen nach Rolle und Erfahrung plus eine ehrliche Einschätzung deines Profils. Der Entgeltatlas liefert den seriösen Rahmen, aktuelle Vermittlungsdaten liefern das Verhandlungsargument.

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